Unsere Lieblingsgerichte? Pizza, Pasta und Döner fehlen da wohl auf fast keiner Liste! Sie gehören heute wie selbstverständlich zum Leben in Deutschland dazu. So selbstverständlich ist  dies eigentlich aber gar nicht...

Es begann alles mit den Anwerbeabkommen der 1950er und 1960er Jahre in Folge des Arbeitskräftemangels. Um das Nachkriegsdeutschland wieder aufbauen und den wirtschaftlichen Aufschwung voran treiben zu können, wurden dringend Arbeitskräfte gebraucht. Als sogenannte „Gastarbeiter“ wurden junge Männer aus Südost- und Südwesteuropa – aus Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und vor allem der Türkei – angeworben, um in Industrie und Dienstleistungsgewerbe auszuhelfen. Für viele war es reizvoll: Sie erhielten eine Ausbildung und konnten außerdem Ihre Familien zu Hause finanziell unterstützen.
Zwar zog die Mehrzahl der Gastarbeiter in deutsche Städte. Auch ländliche Gegenden wie der Chiemgau, wo Firmen wie die Süddeutschen Kaltstickstoffwerke in Trostberg oder Siemens-Schuckert in Traunreut Arbeitskräfte anstellten, wurden nun aber zu einer vorübergehenden Heimat.
Vorübergehend – das war zumindest der Plan. Die dauerhafte Niederlassung der Arbeiter und der Nachzug der Familien war von der Regierung nicht vorgesehen. Stattdessen richtete man sich nach dem sogenannten „Rotationsprinzip“, das den Rückzug der Arbeitskräfte nach einer bestimmten Zeit vorsah. Als „Migranten“, also Menschen, die dauerhaft ihren Wohnort wechseln, sah man die Gastarbeiter damals nicht. Integration war also nicht wirklich notwendig – zumindest war man dieser Meinung.
Während der ein oder andere Gastarbeiter diese Zeit als Abenteuer empfand und schnell Freunde fand, so erzählen andere von Heimweh, Einsamkeit und Überforderung mit der neuen Sprache. Sogar das Einkaufen beim Bäcker fiel schwer. Deutschkurse wurden von den Firmen meist nicht finanziert. Stattdessen kamen manche Firmen für die Reisekosten bei Heimaturlauben auf.  Untergebracht wurden die Gastarbeiter oft in barackenähnlichen Lagern. In Trostberg hatte es sich schon im Zuge der Aufnahme von Heimatvertriebenen die Wohnungsbaugenossenschaft Neue Heimat zur Aufgabe gemacht, Wohnungen für Heimatsuchende zur Verfügung zu stellen. Sie konnten von Gastarbeitern genutzt werden. Als Industriearbeiter war der Stundenlohn nicht viel höher als 2 DM die Stunde, wovon ein Teil oft an die Familie geschickt wurde. Man musste hier also mit sehr wenig auskommen. Viele sahen die Gastarbeiter als zweitrangige Arbeiter. Kinder hatten es an den Schulen schwer.

Und trotzdem sind auch in Trostberg der Dönerladen und die Pizzeria heute nicht mehr wegzudenken. 1973, als die Regierung einen Anwerbestopp beschlossen, entschieden sich viele Gastarbeiter trotz der oft wenig herzlichen Aufnahme in Deutschland zu bleiben. Sie hatten sich hier ein Leben aufgebaut und konnten ihren Kindern hier trotz der Benachteiligung durch das deutsche Schulsystem eine bessere Zukunft bieten. Viele von ihnen begannen, ihre Familien nachzuholen. Zwar sind Gastarbeiterkinder auch in der 3. und 4. Generation häufig noch benachteiligt. An der Selbstverständlichkeit, mit der wir südosteuropäische und südwesteuropäische Einflüsse als Teil der deutschen Kultur auffassen, sieht man aber, dass Integration gelungen ist.