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Auch im Schuljahr 2015/16 hat das Deutsch-französische Jugendwerk mit Sitz in Berlin die Austauschmaßnahme Trostberg-Berlin wieder mit den dafür üblichen Höchstsätzen unterstützt, wofür die Schule und insbesondere die Fachschaft Französisch wieder sehr herzlich dankt.

 

Frankreichaustausch 2017

 

 Es ist wieder soweit! Im Schuljahr 2016/17 werden folgende Austauschaktivitäten stattfinden:

 

  • Schüler aus Paris bei uns am HGT: 24.-31. März 2017

 

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     La cathédrale de Notre-Dame de Paris

  Paris 1

     Paris en bateau

 

38 Jahre deutsch-französischer Austausch am HGT


Von 50 Jahren Schulbetrieb auf 38 Jahre Austauschaktivitäten mit Frankreich zurückblicken zu können, dürfte nicht alltäglich an deutschen Schulen sein. Umso erfreulicher ist es, dass am HGT internationale Beziehungen wertgeschätzt und ausdauernd gepflegt werden. Die Schulgemeinschaft am HGT schätzt den Blick über den eigenen Tellerrand hoch, in der bewährten Grundüberzeugung, dass es Teil der gymnasialen Bildung sein muss, internationale Brücken zu bauen und interkulturelle Begegnungen zu ermöglichen, die zum einen für die Teilnehmer persönlich wie auch beruflich neue Horizonte öffnen und zudem – auch im vereinten Europa – ein wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung sind.
So blicken wir auf eine jahrzehntelange Tradition deutsch-französischer Begegnung  zurück:
Von 1978 bis 1990 leitete und gestaltete Frau Gisela Weiss, Fachbetreuerin im Fach Französisch, den Schüleraustausch mit dem Lycée „Jean de Pange“ in dem lothringischen Ort Sarreguemines. Der Kontakt war zustande gekommen über den Bayerischen Jugendring. (War es für unsere Schüler einerseits leicht, die dort geknüpften Kontakte zu halten, weil die deutsche Sprache in den mehrfach die Nationalität wechselnden Provinzen Elsass und Lothringen noch von der älteren Bevölkerung gesprochen wurde, so keimte doch zunehmend der Wunsch nach einem Landstrich auf, in dem man gezwungen war, sich in Französisch auszudrücken und der weniger intensiv an die wechsel- und leidvolle Vergangenheit der beiden Nachbarvölker erinnerte.) Nachdem in Sarreguemines der verantwortliche Ansprechpartner Monsieur Bernard Wagner 1989 in den Ruhestand gegangen war, fand dieser Austausch ein Ende und Frau Edith Kirchgeorg übernahm von 1990 bis 1995 das Ruder als Austauschleiterin. Sie konnte eine Schule  in Friville-Escarbotin in der Picardie für ein Austausch-programm gewinnen, das leider aus personellen Gründen auf französischer Seite nur zwei Jahre (1990 und 1991) durchgeführt werden konnte.  Herr Baumeister, damals noch Konrektor, tat schließlich erfreulicherweise erneut über den Bayerischen Jugendring den Kontakt zum „Lycée de Borda“ in Dax im Südwesten Frankreichs auf, was zur längsten Austauschbeziehung am HGT bis dato führen sollte, nämlich während der Jahre 1994 bis 2012, wenngleich mit kurzen Unterbrechungen aus diversen Gründen. Madame Christine Penot, Monsieur Philippe Verneau und Madame Jaqueline Giger-Magnus erwiesen sich dabei neben vielen anderen als zuverlässige Partner auf Daxer Seite. Am HGT kam es 1996 zu einer erneuten Stabübergabe an Frau Regina Gründobler, die die Leitung des Austausches bis 2005 innehatte. In diese Zeit fiel die Einführung des naturwissenschaftlich-technologischen Zweiges mit Französisch als zweiter Fremdsprache. Wir brauchten also mehrere Schulen auf französischer Seite, um unsere bis zu 60 Schüler pro Jahr unterbringen zu können. Im Jahr 1997 konnte das HGT mit dem „Lycée Voltaire“ in Orléans-La-Source austauschen, da Dax in diesem Jahr nicht zur Verfügung stand und im Jahr 1998 stellte Kollege Peter Schmidt zusätzlich einen Kontakt mit dem Collège in Courson-les-Carrières im Burgund her. Darüber hinaus ergab sich einmalig noch ein Austausch mit dem „Centre Scolaire Jean Baptiste de la Salle“ in Lyon. Von 2000 bis 2006 kam schließlich als zweite Partnerschule noch die Klosterschule Sainte-Thècle in Chamalières, einem Vorort von Clermont-Ferrand, in der Auvergne dazu. Diesen Kontakt konnte Frau Maria Wimmer, die den Austausch seit 2005 leitet, über ihre Freunde vor Ort aufbauen.  Monsieur Hervé Siffert und Madame Myriam Guérard-Pons waren die verantwortlichen Lehrkräfte.
Mit diesem Austausch verbindet uns ein besonders beeindruckendes Erlebnis. Bei einem feierlichen Gottesdienst mit Bischöfen aus Deutschland, Frankreich, Polen und den Niederlanden wurde am 19. Dezember 2004  der einzigen Priesterweihe in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager gedacht. Vor 60 Jahren war in der Kapelle auf Block 26 des Konzentrationslagers Dachau der dort inhaftierte Diakon Karl Leisner aus dem Bistum Münster von einem französischen Mithäftling, dem Bischof von Clermont-Ferrand, Gabriel Piguet, heimlich zum Priester geweiht worden. Schüler und Lehrer aus Sainte-Thècle und dem Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg waren eingeladen, diesen zweisprachigen Gedenkgottesdienst in Anwesenheit vieler geistlicher Vertreter aus mehreren europäischen Ländern textlich und musikalisch mitzugestalten. Die Begegnung mit Herrmann Scheipers, einem von drei noch lebenden Zeitzeugen dieser heimlichen Priesterweihe führte sogar dazu, dass dieser über 90-jährige Priester die weite Reise von Münster nach Trostberg antrat, um für die Oberstufe einen Vortrag zu seinem Lebenswerk „Priester in zwei Diktaturen“ zu halten. Eine weitere nachhaltige Wirkung dieser Begegnungen in Dachau bestand in der Übersetzung ins Französische des autobiographischen Werks „Es müssen nicht immer Azaleen sein“ von Schwester Imma Mack über ihre Schmuggeldienste im Zusammenhang mit der Priesterweihe durch die mittlerweile in Trostberg lebenden Marie-Yolande Pirchner.
Aber auch zur französischen Hauptstadt Paris konnten die Fühler erfolgreich ausgestreckt werden: Zunächst über Frau Kirchgeorg anfangs zum „Lycée Paul Claudel“ von 2002 bis 2011 (Madame Stéphanie Hilt und Madame Sylvie Lagier waren unsere Ansprechpartnerinnen) und über Frau Wimmer zum „Institut de la Tour“ (Madame Béatrix de Person leitet den Austausch auf französischer Seite) und seit 2012 zum „Collège Raymond Quenau“ mit Madame Carin Heilmann-Pitié als verantwortlicher Lehrkraft. Die beiden letztgenannten Schulen sind unsere aktuellen Austauschschulen in Paris, mit denen wir im Schnitt 50 Schüler pro Jahr austauschen.
So dürften in den 38 Jahren knapp 2000 Schüler in den Genuss eines Austausches mit Deutschlands unmittelbaren Nachbarn gekommen sein. Wenn man die vielen Erinnerungsveranstaltungen im Jahr 2014 zum Ausbruch des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren Revue passieren lässt, kann man nur dankbar feststellen, dass am HGT der Geist des deutsch-französischen Vertrags weht, den Konrad Adenauer und Charles de Gaulle 1963 nur knapp 20 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs als frühere Erzfeinde in großer visionärer Weitsicht in Reims unterzeichneten. Ganz im Sinne des Deutsch-französischen Jugendwerks, das alle zwei Jahre unseren Austausch finanziell unterstützt, machen sich junge Leute – garantiert mit Herzklopfen - auf, um auf der jeweils andere Seite des Rheins ihre Austauschpartner und deren Familien zu treffen, Freundschaften zu knüpfen und zu erfahren, wie die Nachbarn leben.
Und so heißt es hoffentlich jedes Jahr aufs Neue: Vivement les échanges franco-allemandes

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