Seit dem Schuljahr 2008/09 werden im zweiwöchigen Rhythmus sogenannte ZEIT-FÜR-UNS-Stunden in allen 7., seit September 2009 auch in den 8.und 9. Klassen angeboten, die anders als im regulären Unterricht üblich von den Schülern selbst gestaltet werden. Auch die thematischen Schwerpunkte, unter anderem Diskussionen über das Klassenklima, Planungen gemeinsamer Projekte, wie Klassenpartys und Wandertage, werden von den Schülern selbst gewählt. Die ZFU-Stunden finden während des Vormittagsunterrichts statt, wobei durch ein Rotationsprinzip gewährleistet wird, dass von Mal zu Mal andere Fächer und Kollegen vom unvermeidlichen Unterrichtsausfall betroffen sind, wobei ich an dieser Stelle allen involvierten Kollegen für ihr diesbezügliches Verständnis und ihre Kooperationsbereitschaft danken möchte.

Im Idealfall agiert der Lehrer während einer ZFU-Stunde nur als Beobachter und Aufsichtsperson und greift nur ein, wenn die Schüler die Kontrolle verlieren und bricht im ungünstigsten Fall ab, wenn die Bedeutung der Stunde missachtet wird. Die zentrale Rolle kommt den beiden Moderatoren zu – von der Klasse jeweils für ein halbes Jahr gewählte Schüler, die die Diskussionen leiten und im Rahmen einer zweistündigen Ausbildung mit wesentlichen Gesprächs- und Moderationstechniken vertraut gemacht wurden. Sie sollen sich sachlich und neutral verhalten sowie darauf achten, dass alle Schüler zu Wort kommen und die geäußerten Meinungen im Einklang mit den auch im Unterricht üblichen Gesprächsregeln respektiert werden. Um die Ideen und Beiträge der Schüler zu sammeln und zu visualisieren, können diese von den Moderatoren stichpunktartig auf Moderationskarten festgehalten und auf eine eigens dafür zur Verfügung gestellten ZFU-Wand nach inhaltlichen Übereinstimmungen gruppiert werden. Neben den Moderatoren werden zwei Assistenten aus den Reihen der Schüler gewählt, die für die Themenfindung innerhalb der Klasse und die schriftliche Fixierung der Ergebnisse der einzelnen Stunden verantwortlich sind. Außerdem ist es ihre Aufgabe, die jeweils betroffenen Lehrkräfte mindestens zwei Tage vor der geplanten ZFU-Stunde über das Thema zu informieren.

Die grundsätzliche Zielsetzung des Projekts besteht in der Förderung von Teamgeist, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit sowie Selbstständigkeit und Eigeninitiative der Schüler – Kompetenzen also, die auch im späteren Berufsalltag von großer Bedeutung sind. Aber auch der Unterricht im Allgemeinen soll davon profitieren, denn ein angenehmes Klassenklima ist sicherlich eine gute Basis für konzentriertes und diszipliniertes Arbeiten.  

Markus Weig
(Staatlicher Schulpsychologe)