Musik lebt - auch in Zeiten des G8!

Artikel aus dem Trostberger Tagblatt vom 22. März 2013, Von Andreas Torwesten

Trostberg. Das G8 macht alles kaputt. Es ist das Ende aller kreativen Schuleinrichtungen. Orchester, Schulchor, Bigband – Reliquien der Vergangenheit, vom Aussterben bedrohte Institutionen. Falsch! Wer glaubt, dass Kunst und Kreativität in Zeiten verkürzter, von Nachmittagsuntericht geprägter Gymnasialbildung keine Chance mehr haben, täuscht sich gewaltig. Bester Beweis: Das Frühlingskonzert am Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg, wo die Schüler einmal mehr gezeigt haben, dass für Musik im G8 immer noch genügend Platz bleibt.

Traditionell wird das Frühlingskonzert auch dieses Jahr von der AG Neue Musik unter der Leitung von Bernhard Zörner eröffnet. "Ketten" heißt das erste Stück – der Name ist Programm. Drei Buben und ein Mädel schleppen große Eisenketten in die Aula des HGT, lassen diese fallen, stampfen darauf herum und legen zwischendurch immer wieder effektvolle Pausen ein. Erstaunlich, welches Tonspektrum man mit "Instrumenten" abdecken kann, die man für gewöhnlich eher mit düsteren Kerkern als mit einem Konzertsaal verbinden würde. Der zweite Titel "Frogs" entführt die Zuhörer in eine ganz andere Klangwelt. In der gesamten Aula verteilt erzeugen die Schüler unterschiedlich hohe QuakLaute auf großen und kleinen Holzfröschen. "Wettertechnisch hat der Name Frühlingskonzert eher Appellcharakter", meinte Dr. Helmut Goller in seiner Anfangsrede – diese Geräuschkulisse kommt einem Froschtümpel an einem lauen Frühlingsabend aber auch klanglich ziemlich nahe.

Danach ist das Schulorchester an der Reihe. Hier machen sich die Auswirkungen der mittlerweile an fast allen Grundschulen etablierten Bläserklassen bemerkbar: Posaunen, Querflöten, Trompeten – Bläser wohin das Auge sieht, zwei Geigen halten die Streicher-Fahne hoch. Leiter Karl Grüneis gibt selbst an Pauke und Bongo den Takt vor, den seine Schüler mit gutem Timing halten, jeder Einsatz sitzt. Einfühlsam wird die Titelmusik zu "Jurassic Park" und "Forrest Gump" geblasen, heiter und fröhlich kommt John Higgins "Laredo" daher. Auch wenn der ein oder andere Ton noch ganz leicht wackelt, hat Grüneis ein angesichts des extrem niedrigen Alterssschnitts sehr starkes Ensemble gebildet.

Ein echtes Highlight dieses Abends ist der große Schulchor. Der Sound ist voll und ausgewogen, mal laut-dynamisch, dann wieder dezent-gefühlvoll. Bernhard Zörner hat seine Nachwuchssänger fest im Griff, das Repertoire ist ebenso vielseitig wie eingängig. Besonders stark: Der kraftvolle Männerchor im düsteren Schlussstück "Berg op Zoom". Die Stimmen sind fein aufeinander abgestimmt, Soloparts werden schön und klar in den Vordergrund gestellt. So auch Sopranistin Kristina Oberhans: Der Q11-lerin gelingt es, sich alleine über den gesamten Chor zu setzen – in "When the Moon is on the Run" klar und prägnant, und noch eindrucks- und kraftvoller in "Kum Baa Yah".

Auch der Kammerchor, die Hertzhaimer "Gesangselite", weiß zu überzeugen. Schwierige A-Cappella-Parts werden sauber gemeistert, die Ballade "You‘re a song" ist ausgewogen arrangiert: Ein starker Background, oben drüber sauber der Sopran – einfach schön! Anschließend verabschieden sich die Q12-ler mit dem Titel "Survivor" aus dem Schulchor. "Das schmerzt wahnsinnig, 15 Leute werden meinen Chor verlassen", meint Zörner. Kollege Dr. Helmut Goller lacht in der ersten Reihe: "Es is no ned ganz sicher..." Sicher ist aber, dass Zörner seine Bald-Abiturienten vermissen wird, denn gesanglich haben die einiges drauf.

Den Abschluss bildet – auch das hat Tradition am HGT – die Bigband von Dr. Goller. Wie immer gibt es Jazz-Standards à la "All of me" und Bigband-Klassiker wie "At the Hop", kraftvoll geschmettert von Sängerin Simone Schinko. Weil Goller neben einem guten Kollektiv auch über herausragende Einzelkönner verfügt, werden in jedes Stück Instrumentalsoli eingestreut. Hier tun sich besonders Trompeter Franz Georg und Pianist Jakob Reitinger hervor: Da können zwei Jungs was, das man eigentlich nicht mehr unter den Begriff "Hobbymusik" fassen kann. Am Ende müssen auch die "Golleriker" wieder einige Abgänge verkraften. Reitinger singt passend zum Abschied Frank Sinatras "My Way", begleitet von seinen mitscheidenen "Gollerikern", dann verklingt leise der letzte Ton des Frühlingskonzerts.

Das Schöne an diesem Abend war es, zu sehen, wie viel Spaß die Schüler an der Sache haben, wie vertraut man miteinander umgeht. Gemeinsame Proben, Chorausflüge, Konzerte – all das schweißt außerhalb der regulären Unterrichtszeit zusammen. Eines hat das Frühlingskonzert am HGT wieder einmal gezeigt: Für Musik sollte – wahrscheinlich vor allem im G8 – immer Platz bleiben, egal wie vollgepackt der Stundenplan ist.

Lesen Sie mehr auf:
http://www.heimatzeitung.de/cho/archiv/716755_Musik-lebt-auch-in-Zeiten-des-G8.html#plx1007586093

Trostberg. Das G8 macht alles kaputt. Es ist das Ende aller kreativen Schuleinrichtungen. Orchester, Schulchor, Bigband – Reliquien der Vergangenheit, vom Aussterben bedrohte Institutionen. Falsch! Wer glaubt, dass Kunst und Kreativität in Zeiten verkürzter, von Nachmittagsuntericht geprägter Gymnasialbildung keine Chance mehr haben, täuscht sich gewaltig. Bester Beweis: Das Frühlingskonzert am Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg, wo die Schüler einmal mehr gezeigt haben, dass für Musik im G8 immer noch genügend Platz bleibt.

Traditionell wird das Frühlingskonzert auch dieses Jahr von der AG Neue Musik unter der Leitung von Bernhard Zörner eröffnet. "Ketten" heißt das erste Stück – der Name ist Programm. Drei Buben und ein Mädel schleppen große Eisenketten in die Aula des HGT, lassen diese fallen, stampfen darauf herum und legen zwischendurch immer wieder effektvolle Pausen ein. Erstaunlich, welches Tonspektrum man mit "Instrumenten" abdecken kann, die man für gewöhnlich eher mit düsteren Kerkern als mit einem Konzertsaal verbinden würde. Der zweite Titel "Frogs" entführt die Zuhörer in eine ganz andere Klangwelt. In der gesamten Aula verteilt erzeugen die Schüler unterschiedlich hohe QuakLaute auf großen und kleinen Holzfröschen. "Wettertechnisch hat der Name Frühlingskonzert eher Appellcharakter", meinte Dr. Helmut Goller in seiner Anfangsrede – diese Geräuschkulisse kommt einem Froschtümpel an einem lauen Frühlingsabend aber auch klanglich ziemlich nahe.

Danach ist das Schulorchester an der Reihe. Hier machen sich die Auswirkungen der mittlerweile an fast allen Grundschulen etablierten Bläserklassen bemerkbar: Posaunen, Querflöten, Trompeten – Bläser wohin das Auge sieht, zwei Geigen halten die Streicher-Fahne hoch. Leiter Karl Grüneis gibt selbst an Pauke und Bongo den Takt vor, den seine Schüler mit gutem Timing halten, jeder Einsatz sitzt. Einfühlsam wird die Titelmusik zu "Jurassic Park" und "Forrest Gump" geblasen, heiter und fröhlich kommt John Higgins "Laredo" daher. Auch wenn der ein oder andere Ton noch ganz leicht wackelt, hat Grüneis ein angesichts des extrem niedrigen Alterssschnitts sehr starkes Ensemble gebildet.

Ein echtes Highlight dieses Abends ist der große Schulchor. Der Sound ist voll und ausgewogen, mal laut-dynamisch, dann wieder dezent-gefühlvoll. Bernhard Zörner hat seine Nachwuchssänger fest im Griff, das Repertoire ist ebenso vielseitig wie eingängig. Besonders stark: Der kraftvolle Männerchor im düsteren Schlussstück "Berg op Zoom". Die Stimmen sind fein aufeinander abgestimmt, Soloparts werden schön und klar in den Vordergrund gestellt. So auch Sopranistin Kristina Oberhans: Der Q11-lerin gelingt es, sich alleine über den gesamten Chor zu setzen – in "When the Moon is on the Run" klar und prägnant, und noch eindrucks- und kraftvoller in "Kum Baa Yah".

Auch der Kammerchor, die Hertzhaimer "Gesangselite", weiß zu überzeugen. Schwierige A-Cappella-Parts werden sauber gemeistert, die Ballade "You‘re a song" ist ausgewogen arrangiert: Ein starker Background, oben drüber sauber der Sopran – einfach schön! Anschließend verabschieden sich die Q12-ler mit dem Titel "Survivor" aus dem Schulchor. "Das schmerzt wahnsinnig, 15 Leute werden meinen Chor verlassen", meint Zörner. Kollege Dr. Helmut Goller lacht in der ersten Reihe: "Es is no ned ganz sicher..." Sicher ist aber, dass Zörner seine Bald-Abiturienten vermissen wird, denn gesanglich haben die einiges drauf.

Den Abschluss bildet – auch das hat Tradition am HGT – die Bigband von Dr. Goller. Wie immer gibt es Jazz-Standards à la "All of me" und Bigband-Klassiker wie "At the Hop", kraftvoll geschmettert von Sängerin Simone Schinko. Weil Goller neben einem guten Kollektiv auch über herausragende Einzelkönner verfügt, werden in jedes Stück Instrumentalsoli eingestreut. Hier tun sich besonders Trompeter Franz Georg und Pianist Jakob Reitinger hervor: Da können zwei Jungs was, das man eigentlich nicht mehr unter den Begriff "Hobbymusik" fassen kann. Am Ende müssen auch die "Golleriker" wieder einige Abgänge verkraften. Reitinger singt passend zum Abschied Frank Sinatras "My Way", begleitet von seinen mitscheidenen "Gollerikern", dann verklingt leise der letzte Ton des Frühlingskonzerts.

Das Schöne an diesem Abend war es, zu sehen, wie viel Spaß die Schüler an der Sache haben, wie vertraut man miteinander umgeht. Gemeinsame Proben, Chorausflüge, Konzerte – all das schweißt außerhalb der regulären Unterrichtszeit zusammen. Eines hat das Frühlingskonzert am HGT wieder einmal gezeigt: Für Musik sollte – wahrscheinlich vor allem im G8 – immer Platz bleiben, egal wie vollgepackt der Stundenplan ist.

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http://www.heimatzeitung.de/cho/archiv/716755_Musik-lebt-auch-in-Zeiten-des-G8.html#plx1007586093

 

Trostberg. Das G8 macht alles kaputt. Es ist das Ende aller kreativen Schuleinrichtungen. Orchester, Schulchor, Bigband – Reliquien der Vergangenheit, vom Aussterben bedrohte Institutionen. Falsch! Wer glaubt, dass Kunst und Kreativität in Zeiten verkürzter, von Nachmittagsuntericht geprägter Gymnasialbildung keine Chance mehr haben, täuscht sich gewaltig. Bester Beweis: Das Frühlingskonzert am Hertzhaimer-Gymnasium Trostberg, wo die Schüler einmal mehr gezeigt haben, dass für Musik im G8 immer noch genügend Platz bleibt.

Traditionell wird das Frühlingskonzert auch dieses Jahr von der AG Neue Musik unter der Leitung von Bernhard Zörner eröffnet. "Ketten" heißt das erste Stück – der Name ist Programm. Drei Buben und ein Mädel schleppen große Eisenketten in die Aula des HGT, lassen diese fallen, stampfen darauf herum und legen zwischendurch immer wieder effektvolle Pausen ein. Erstaunlich, welches Tonspektrum man mit "Instrumenten" abdecken kann, die man für gewöhnlich eher mit düsteren Kerkern als mit einem Konzertsaal verbinden würde. Der zweite Titel "Frogs" entführt die Zuhörer in eine ganz andere Klangwelt. In der gesamten Aula verteilt erzeugen die Schüler unterschiedlich hohe QuakLaute auf großen und kleinen Holzfröschen. "Wettertechnisch hat der Name Frühlingskonzert eher Appellcharakter", meinte Dr. Helmut Goller in seiner Anfangsrede – diese Geräuschkulisse kommt einem Froschtümpel an einem lauen Frühlingsabend aber auch klanglich ziemlich nahe.

Danach ist das Schulorchester an der Reihe. Hier machen sich die Auswirkungen der mittlerweile an fast allen Grundschulen etablierten Bläserklassen bemerkbar: Posaunen, Querflöten, Trompeten – Bläser wohin das Auge sieht, zwei Geigen halten die Streicher-Fahne hoch. Leiter Karl Grüneis gibt selbst an Pauke und Bongo den Takt vor, den seine Schüler mit gutem Timing halten, jeder Einsatz sitzt. Einfühlsam wird die Titelmusik zu "Jurassic Park" und "Forrest Gump" geblasen, heiter und fröhlich kommt John Higgins "Laredo" daher. Auch wenn der ein oder andere Ton noch ganz leicht wackelt, hat Grüneis ein angesichts des extrem niedrigen Alterssschnitts sehr starkes Ensemble gebildet.

Ein echtes Highlight dieses Abends ist der große Schulchor. Der Sound ist voll und ausgewogen, mal laut-dynamisch, dann wieder dezent-gefühlvoll. Bernhard Zörner hat seine Nachwuchssänger fest im Griff, das Repertoire ist ebenso vielseitig wie eingängig. Besonders stark: Der kraftvolle Männerchor im düsteren Schlussstück "Berg op Zoom". Die Stimmen sind fein aufeinander abgestimmt, Soloparts werden schön und klar in den Vordergrund gestellt. So auch Sopranistin Kristina Oberhans: Der Q11-lerin gelingt es, sich alleine über den gesamten Chor zu setzen – in "When the Moon is on the Run" klar und prägnant, und noch eindrucks- und kraftvoller in "Kum Baa Yah".

Auch der Kammerchor, die Hertzhaimer "Gesangselite", weiß zu überzeugen. Schwierige A-Cappella-Parts werden sauber gemeistert, die Ballade "You‘re a song" ist ausgewogen arrangiert: Ein starker Background, oben drüber sauber der Sopran – einfach schön! Anschließend verabschieden sich die Q12-ler mit dem Titel "Survivor" aus dem Schulchor. "Das schmerzt wahnsinnig, 15 Leute werden meinen Chor verlassen", meint Zörner. Kollege Dr. Helmut Goller lacht in der ersten Reihe: "Es is no ned ganz sicher..." Sicher ist aber, dass Zörner seine Bald-Abiturienten vermissen wird, denn gesanglich haben die einiges drauf.

Den Abschluss bildet – auch das hat Tradition am HGT – die Bigband von Dr. Goller. Wie immer gibt es Jazz-Standards à la "All of me" und Bigband-Klassiker wie "At the Hop", kraftvoll geschmettert von Sängerin Simone Schinko. Weil Goller neben einem guten Kollektiv auch über herausragende Einzelkönner verfügt, werden in jedes Stück Instrumentalsoli eingestreut. Hier tun sich besonders Trompeter Franz Georg und Pianist Jakob Reitinger hervor: Da können zwei Jungs was, das man eigentlich nicht mehr unter den Begriff "Hobbymusik" fassen kann. Am Ende müssen auch die "Golleriker" wieder einige Abgänge verkraften. Reitinger singt passend zum Abschied Frank Sinatras "My Way", begleitet von seinen mitscheidenen "Gollerikern", dann verklingt leise der letzte Ton des Frühlingskonzerts.

Das Schöne an diesem Abend war es, zu sehen, wie viel Spaß die Schüler an der Sache haben, wie vertraut man miteinander umgeht. Gemeinsame Proben, Chorausflüge, Konzerte – all das schweißt außerhalb der regulären Unterrichtszeit zusammen. Eines hat das Frühlingskonzert am HGT wieder einmal gezeigt: Für Musik sollte – wahrscheinlich vor allem im G8 – immer Platz bleiben, egal wie vollgepackt der Stundenplan ist.

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